„Denken und Erkennen sind die einzige Art, das Leben zu verbringen, die zuletzt gelohnt hat. Darum verpflichtet sie auch. (…) Bekennt und handelt!“
Heinrich Mann, „Studenten!“, Pariser Tageblatt, 26.08.1935.
Darf man gesellschaftlich eingreifende Wissenschaft betreiben? Man muss sogar, und zwar parteilich auf der Seite der Humanität. Vernunft, geschichtliches und philosophisches Begreifen, Persönlichkeitsentfaltung, Argumentationsfreude und ästhetische Bildung, internationale Verständigung und förderliche Beziehungen sind Lebensmittel. Da gibt es nichts zu „sparen“ oder zu zensieren. In den Geisteswissenschaften geht es um das Erkennen und Begreifen der Gesellschaftlichkeit des Menschen und damit um die Erweiterung der Urteils- und Handlungsfähigkeit aller. Eine bedeutsame Aufgabe, die notwendig ein Kontra zu jeglicher Gewalt und allen Versuchen der (extremen) Rechten bildet, durch Irrationalisierung, Verwirrung und Verhetzung eine Kultur des Misstrauens und Schweigens zu erzeugen. Die einschränkenden Interventionen in den Kulturbetrieb durch Wolfram Weimer (Kulturstaatsminister), die Hetze der AfD gegen Wissenschaftler:innen und die Einschränkung von allem, was der „Staatsräson“ entgegensteht, sind nicht hinnehmbare Einschüchterungsversuche. Wir müssen die Geisteswissenschaften in neu offensiver Gegnerschaft dazu betreiben und für die Lösung der drängenden Menschheitsprobleme forschen, lehren und vor allem lernen. Die Selbstverpflichtung unserer Fakultät zu den Sustainable Development Goals der UN 2011 war ein guter Anfang, darf aber nicht zum Exzellenz-Feigenblatt mutieren. Wir können viel bewegen mit dem Abbau von religiösen und kulturellen Feindbildern und mit der globalen Verständigung durch das Erforschen von allerhand Sprachen und Kulturen. Für weltweite Gleichheit, mit historischem Optimismus statt Weltuntergangsstimmung, lernend aus dem historischen Erbe der Menschheit.
Dafür ist jede und jeder gefragt, gehen wir es an!
Studienreform für die Bildung mündiger Menschen
Produktiver Erkenntnisgewinn und die solidarische Entfaltung der Persönlichkeiten zur Schaffung einer menschenwürdigen Welt braucht egalitäre Lehr- und Lernverhältnisse (statt Verschulung durch Prüfungen, Anwesenheitspflichten, Modularisierungen, …). Nach erkämpften Verbesserungen, wie der Abschaffung von Fristen und der Etablierung des Studium Generale in der gesamten Universität haben wir in der laufenden Prüfungsreform den 4ten Prüfungsversuch erstritten. Darüber hinaus nehmen wir uns vor:
- Reduzierung der Prüfungslast und Zurückdrängen von Benotungen zugunsten kooperativer Erörterung über den Erkenntnisfortschritt,
- der Ausbau des Projektstudiums und der studentischen Forschungsgruppen,
- Überwindung der Leistungspunkte – Inhalt statt Leistung,
- Schluss mit „Rausprüfen“: Aufhebung der Begrenzung von Prüfungsversuchen!
Soziale Verbesserungen erstreiten
Damit alle den oben genannten Ansprüchen ungemindert nachgehen können, streiten wir für grundlegende soziale Verbesserungen: durch eigenständige politische Stellungnahmen und Engagement in der Kampagne BAföG für alle, sowie die Gestaltung des Bundesweiten BAföG-Kongress. Auf unsere Initiative kommt es dabei weiter an:
- Ausweitung und Erhöhung des BAföG zu einem eltern- und herkunftsunabhängigen Vollzuschuss, der tatsächlich die Lebensgrundlagen für Studieren sichert (https://bafög-für-alle.de/).
- Besser bezahlte, tarifgebundene und unbefristete Beschäftigungsverhältnisse für Studierende. Ein erster Erfolg ist die Streichung verpflichtend unbezahlter Praktika.
Tätiges Erinnern gegen Rechts
Gegen das Vergessen und für die Bildung einer menschenwürdigen Perspektive für die ganze Welt machen wir Lesungen aus den Büchern, welche 1933 von faschistischen Studenten verbrannt wurden, wirken für die Beteiligung der Fakultät am „Monat des Gedenkens in Eimsbüttel“ und engagieren uns im Ratschlag für den 8. Mai als Feiertag. Ebenfalls gilt es, das Wirken des Hamburger Zweigs der Weißen Rose in Lehre und Forschung zum Maßstab der Fakultät zu machen.
Philosophenturm geschichtsbewusst gestalten
Der Philosophenturm wird immer mehr Ort der Zusammenkunft, streitbarer Diskussionen und vertiefter Auseinandersetzung mit Philosophie, Geschichte, Kultur, Kunst und Sprachen. Damit das noch besser gelingt wollen wir Gelegenheiten schaffen, dass die Philturm-Nutzer:innen sich die Geschichte des Gebäudes zu eigen machen, um ihn heute selber zu gestalten. So machen wir den Philturm wieder zum Ausgangspunkt der Studierendenbewegung:
- Vor dem Umzug waren die Wände in den Fluren mit Kunst, entstanden aus Besetzungen und anderen Aktivitäten der Studierenden, gestaltet. Diese wurde leider größtenteils mit der Sanierung vernichtet. Wir wollen eine Ausstellung mit exemplarischen Kunstwerken gestalten und in den Fluren aufhängen.
- Durch unsere Initiative ist das Tryptichion von Oskar Kokoschka nun wieder im Hörsaal D des Philosophenturms zu bewundern. Damit wir uns dieses Werk des Humanismus noch besser aneignen können, muss aber das Glas noch entspiegelt werden.
- Die von uns initiierte Benennung der Hörsäle im Philturm nach Personen, die durch ihr antifaschistisch-humanistisches Engagement die Universität geprägt haben und dadurch heute als Inspiration und Vorbild dienen können, treiben wir weiter voran.
- Darüber hinaus fehlen noch viele Details, die eine lebendige Kultur im Philturm fördern. Beispielsweise eine große Tafel für Aushänge im Foyer.
Finanzierung für höhere Zwecke
Die Universitäten brauchen eine bedarfsdeckende, staatliche Grundfinanzierung, um – unabhängig von Exzellenzwettbewerben und Stiftungen – die Wissenschaft zu machen, die benötigt wird. Mit der Demonstration “Wissen schafft Zukunft” ist uns eine freudvolle, solidarische, mitgliedergruppenübergreifende Aktion gelungen, auf die wir aufbauen wollen. Auf unseren Antrag im Fakultätsrat gab es Lehrfrei zur Teilnahme an der Demo, damit niemand zwischen Seminar und Protest entscheiden muss.
Die Schuldenbremse muss endlich weg. Deswegen sind wir Teil der Kampagne „International solidarisch – Schluss mit Austerität!“ und auch im Studierendenwerk aktiv für eine bedarfsgerechte, öffentliche Finanzierung.