Seit dem Wintersemester 2025/26 befindet sich das sehr beindruckende Thermopylae-Triptychon von Oskar Kokoschka wieder an seinem Platz im Hörsaal D im Philoshophenturm.
Doch nicht nur das Gemälde ist beeindruckend, sondern auch sein Erschaffer. Kokoschka wird 1886 in Niederösterreich in eine kunstaffine Familie geboren. 1910 fällt er das erste Mal so richtig auf, als er sein selbst-illustriertes Drama „Mörder, Hoffnung der Frauen“ in der Kunstzeitschrift „Der Sturm“ veröffentlicht. Die Wochenzeitschrift war eine der großen avantgardistischen Zeitschriften und veröffentlichte insbesondere Künstler:innen der Künstlergruppen „Die Brücke“ und „Der blaue Reiter“. Vermutlich über diese Arbeit kam Oskar Kokoschka mit Wassiliy Kandinsky und Franz Marc zusammen, mit denen er ein Jahr später eine gemeinsame Ausstellung kuratierte. Kokoschka meldete sich 1914 freiwillig zum Kriegsdienst und wird 1916 schwer verletzt entlassen. Von 1919 bis 1924 lehrt er an der Kunstakademie in Dresden, anschließend reist er durch Europa, Afrika und Vorderasien und kehrt 1931 nach Wien zurück. Die Rückkehr ist nicht von langer Dauer. 1934 emigriert Kokoschka nach Prag, der aufkommende Faschismus in Österreich zwingt ihn dazu. Den Nazis ist Kokoschka mit seiner aufgeklärten, freudvollen, unklassischen und häufig sehr nackten Kunst ein Dorn im Auge. 1937 führen die Nazis eine reichsweite Razzia durch und beschlagnahmen 417 von Kokoschkas Werken aus Museen. Er galt als „entarteter“ Künstler. Ein Jahr später flieht er nach London wo er sich an der „Free German League of Culture“ beteiligt, deren Präsident er 1943 wird. Der Kulturbund wurde 1939 auf Initiative deutscher Kommunist:innen gegründet, unter ihnen Jürgen und Marguerite Kuczynski. 1953 siedelt Oskar Kokoschka in die Schweiz um, ein Jahr später malt er dieses Triptychon. Er malt es für die Universität Hamburg, deren Präsident von 1951-1953 sein Freund der Gräzist und Nazigegner, Prof. Dr. Bruno Snell war. Eigentlich will Kokoschka der Universität das Gemälde schenken, doch durch die Jahrelange Verfolgung ist ihm das finanziell nicht möglich. Phillip und Gertrud Reemtsma kaufen das Gemälde, um es der Universität zu stiften. Dieser Akt war aber keine reine Freundlichkeit, sondern diente einzig dem noch heute verfolgten Ziel der Familie Reemtsma, als Mäzene dieser Stadt wahrgenommen zu werden. Phillip Reemtsma war es nämlich, der sich schon 1932 mit Adolf Hitler, Rudolf Heß und Max Amann traf und für 500.000 Reichsmark Werbung in den Publikationen der NSDAP vereinbarte und anschließend massiv von der Zwangsarbeit von mindestens 28.000 Menschen in seinen Zigarettenfabriken und dem Tabakanbau profitierte. Sein Unternehmen wurde 1943 der alleinige Zigarettenlieferant der SA. 1948 wird er wegen der Bestechung von Hermann Göring verurteilt. Der Entnazifizierungsausschuss entlastet ihn – im Gegensatz zu Historiker:innen, die über ihn und sein Unternehmen forschen.
Das Triptychon zeigt eine Szene, welche Kokoschka auf Grundlage der Schlacht an den Thermopylen malte. Die Schlacht zwischen dem Hellenenbund (Sparta) und dem Achämenidenreich (Persien) fand 480 vor Christus statt. Kokoschka stellt sie im klassischen Triptychon dar: Auf der linken Seite verabschiedet sich der König der Spartaner Leonidas sich von seiner Familie, die im farbenfrohen Leben dargestellt wird. Auf der rechten Seite ist das zerstörte Athen zu sehen, die Niederlage des Hellenenbunds gegen das Achämenidenreich. In der Mitte dazwischen der Zauderer. Er blickt Hilfe suchend zurück zu der Entscheidung, in den Krieg gezogen zu sein. Am Rand sitzt der Seher Megistos, der die Niederlage der Hellenen vorhergesehen hatte. Auf der anderen Seite toben schon Krieg, Tod und Zerstörung. Dieser Zweifler ist nicht nur eine Mahnung vor dem Krieg an uns, sondern ein Auftrag dafür, unserem Zweifel nachzugehen und den Krieg ein für alle Mal zu überwinden. Nutzen wir unsere Möglichkeiten, in Studium, Wissenschaft und Selbstverwaltung in diesem Sinne.