Zurück in den Philosophenturm!
Mit Geschichtsbewusstsein und progressiven Ambitionen

Veröffentlicht von Thomas Stahlhut am

Zum Philosophenturm
Der Philosophenturm, fertiggestellt im Jahr 1961, ist immer wieder Ausgangspunkt linker studentischer Bewegung für Frieden, Antifaschismus, Internationalismus und eine Studienreform in diesem Sinne gewesen. Beispelsweise im 9. Stock, im damaligen „Historischen Seminar” (heutiger Fachbereich Geschichte), wurde hier unter anderem mit der „Fischer Kontroverse“ (Herausarbeitung der Kontinuität der imperialen Kriegspolitik des deutschen Kaiserreiches) Geschichte geschrieben.
Als (architektonische) Konsequenz aus der Niederringung des Faschismus, macht der Philosophenturm, mit der äußerlichen, optischen Verbreiterung nach oben, mit verhältnismäßig kleinen Türen, den Menschen groß. Dementsprechend waren Seminarräume und Büros, sowie studentische Räume, nach Fachbereich sortiert und egalitär auf derselben Etage angesiedelt. Mit seinen Kunstwerken und Bibliotheken war der „Philturm” kultivierender Teil der Universität.

Überwindung des entfremdeten Studiums
„Es gibt also nicht verschiedene , die die Geschichte machen, sondern nur einen, den handelnden Menschen“ Reinhard Kühnl, Faschismustherorien, ein Leitfaden [Einleitung], 1972.
In kritischer Auseinandersetzung mit der Welt, gemeinsamem Analysieren und Diskutieren gesellschaftlicher Zusammenhänge, mit neuen Erkenntnissen in die gesellschaftliche Entwicklung für Menschenfreundlichkeit und Progression eingreifend: so zu studieren macht Freude. Die Verwertungsorientierung des Ba/Ma-Systems ist gegensätzlich orientiert. Das Leistungspunktesystem und andere Unannehmlichkeiten sollen individualisieren, indem sie die Bewertung der einzelnen Leistung zum wesentlicher Kern des Studierens machen. Der eigentliche Inhalt, die wissenschaftliche Aneignung und humane Entwicklung der Gesellschaft, spielt im Bewertungssystem nur eine untergeordnete Rolle.
Der Umzug in den Überseering im Jahr 2018 verschärfte dieses Problem zusätzlich. Das „Ü 35” ist zu einem kulturellen Ausdruck der Entfremdung im Studium geworden. Gestaltungsmöglichkeiten sind allein schon aufgrund des Vermieterverhältnisses erschwert. Die architektonische Isolation wird nun noch durch die Vereinzelung im digitalen Studium verschärft.

Zur notwendigen Befreiung aus diesem modern(d)en Sumpf, bedarf es erneut der progressiven Einheit emanzipatorischen Studierens und Wirkens, z.B. für Frieden und entsprechend ambitionierte zivile Wissenschaft. Im „alten“ Philosophenturm manifestierte sich die ausweitend kritische Gestaltung des Studiums auch in Form von Kunstwerken an den Wänden im Philosophenturm.
Wir haben es selbst in der Hand, die Geisteswissenschaften neu zu einem lebendigen Ort gesellschaftlicher Anspruchsentwicklung und anspruchsvoller Gesellschaftentwicklung zu machen. Wir können dabei auf zahlreiche Aktivitäten aufbauen, wie beispielsweise die Initiative den 8. Mai zum Feiertag zu machen, die Kulturwoche, oder das Engagement gegen die Schuldenbremse. Wissenschaftliche Aneignung der Welt, gemeinsames Diskutieren und sich daraus ergebende Aktivitäten, stehen neu an und wollen verwirklicht werden.

Konkretes
Weiterhin vorhanden, ausgebaut und kultiviert werden muss:
– Fächerübergreifendes Zusammenwirken: Nähe der Fachbereiche SLM 1&2, wie auch Geschichte und Philosophie zueinander.
– Fachnahe und kenntnisreiche Unterstützung in den Bibliotheken: ausreichend Büro und Arbeitsraum für qualifiziertes Personal.
– Lebendiger und kultureller Austausch zwischen Turm und Campus: Erhalt und Ausweitung der Ausstellungsflächen.
– Hochschulpolitisches Engagement: für Gremien der Akademischen Selbstverwaltung müssen für jeden Fachbereich genügend Sitzungsräume zur Verfügung stehen; für Entwicklung studentischer Kultur, sowie lebendiger Mitgliedschaft selbstverwaltete Räume und Cafés, sowie Arbeitsräume in jeder Fachschaft.
– Projektbezogenes egalitäres Lehr-Lern Verhältnis: Arbeitsplätze für studentisches Arbeiten auf den Fluren sollen erhalten und erweitert werden; Seminarräume müssen sowohl für studentisches Arbeiten in Kleingruppen, als auch in Großgruppen geeignet sein.
– Historisches Bewusstsein in Bezug auf das Gebäude, das Fach, die Universität und unsere Wirkung in der Stadt; Wandgemälde und Kokoschka-Triptychon sollen erhalten bleiben bzw. wieder hergestellt werden.
Informelle Gespräche in den Büros, auf dem Flur und “zwischen Tür und Angel”: hinreichende Sitzgelegenheiten auf den Fluren; Nischen zum Arbeiten und Verweilen erhalten und erweitern.
– Wissenschaft als Berufung: keine zeitliche Begrenzung der Nutzung durch die Mitglieder, weder im Cube, noch im Philturm.

Kategorien: Flugblätter